05/03/2026 0 Kommentare
Mein Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Mein Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
# Neuigkeiten aus Mitte

Mein Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Mein Freiwilligendienst
mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
beim Jüdischen Zentrum Auschwitz
in Oświęcim, Polen
1. Freiwilligenbericht (21.12.2025)
Juliane Hartlieb
Dzień dobry! Mam na imię Juliane Hartlieb. Jestem woluntariuszką w Museum Żydowskie i baristką w Café Bergson w Oświęcimiu. Mówię trochę po polsku.
So viel zu mir auf Polnisch. Für diejenigen, die das nicht verstanden haben, stelle ich mich am besten nochmal auf Deutsch vor:
Ich bin Juliane und komme aus Düsseldorf, wo ich dieses Jahr mein Abitur gemacht habe. Schon lange war ich mir sicher, dass ich danach gerne ein Freiwilligenjahr machen möchte, um meinen Horizont zu erweitern. Außerdem wollte ich an einem Ort arbeiten, an dem ich mich nicht nur persönlich weiterentwickeln, sondern auch der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Durch eine kurze Recherche im Internet bin ich dann auf Aktion
Sühnezeichen Friedensdienste gestoßen, die diese Vorstellungen erfüllt hat. Mich hat besonders der Aspekt des Erinnerns an die Verbrechen der
Nationalsozialsten, sowie das Engagement gegen Diskriminierung und für interkulturellen Austausch angesprochen. Meiner Meinung nach ist genau dieses Engagement in Zeiten, in denen in vielen Ländern Hass und Faschismus zunehmen, wichtiger denn je. Nach meinem Bewerbungsschreiben und einigen Zoom Meetings, konnte ich dann Länder und Tätigkeitsbereiche priorisieren. Da ich kaum Länder oder Tätigkeitsfelder
ausgeschlossen habe und es daher offen stand, wo ich landen werde, war es für mich um so überraschender, alsich im Februar die E-Mail mit dem Angebot bekam im Auschwitz Jewish Centre zu arbeiten. Aufgeregt, aber auch voller Respekt vor dem Ort, der für mich bis dahin nur Abbild eines der schlimmsten Verbrechen der Geschichte war, habe ich zugesagt. Nach den beiden Ausreiseseminaren in Hirschluch und Krakau, wurde ich Anfang September schon mit offenen Armen in Oświęcim empfangen.
Direkt bei meinem ersten Spaziergang hat mich die polnische Kleinstadt positiv überrascht. Es gibt einen historischen Marktplatz, ein frisch renoviertes Flussufer und viele gepflegte Parks. Am Abend des ersten Tages habe ich dann auch meine Mitbewohnerin Natalie kennengelernt. Sie ist 26 Jahre alt und kommt aus den USA. Gerade hat sie ihren Master in Philosophie, interreligiösen Beziehungen und Theologie in Dublin abgeschlossen. Zusammen werden wir das Museum und das Café bis Ende August 2026 unterstützen.
Die Auschwitz Jewish Centre Foundation ist eine polnisch- amerikanische NGO, die sich dazu verpflichtet an die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Oświęcim zu erinnern und das Erbe dieser durch die Ausstellung zu bewahren. Sie besteht aus dem Museum mit der einzig verbliebenen Synagoge von Oświęcim, dem jüdischen Friedhof und dem Gedenkpark auf dem Gelände der ehemaligen großen Synagoge. Aber es ist
nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch des Unterrichtens. Neben den Führungen im Museum und der Synagoge, werden auch Workshops für Lehrer*innen, Soldat*innen und Polizist*innen angeboten. Dabei behandeln diese sowohl die Mechanismen, die zum Holocaust geführt haben, als auch wie man heute Diskriminierung und Hass vorbeugen kann. Mein Arbeitstag geht von zehn bis achtzehn Uhr und sieht immer anders aus. Ich gebe Führungen im Museum und in der Synagoge, sowie in der Stadt und auf dem
jüdischen Friedhof. Bei den meisten Gruppen handelt sich um deutsche Schulklassen, die im Rahmen einer Gedenkstättenfahrt zu uns kommen. Meine Führungen
handeln von den Anfängen der jüdischen Gemeinde von Oświęcim im 16. Jahrhundert. Ich erzähle von den zahlreichen jüdischen Vereinen, Synagogen und Schulen. Außerdem berichte ich über die 8000 jüdischen Bewohner von Oświęcim, die vor dem zweiten Weltkrieg fast sechzig Prozent der gesamten Bevölkerung der Stadt ausgemacht haben, und darüber, dass heute in Oświęcim nur noch zwei Jüdinnen wohnen - Natalie und die Ehefrau unseres
Baristas. In der einzig verbliebenen Synagoge Oświęcims gebe ich dann eine kurze Einführung in das Judentum und seine Traditionen.
Im angrenzenden Café Bergson bereite ich Kaffee und andere Getränke für die Café Besucher zu. Und wenn mal weniger los ist, denken Natalie und ich uns neue Kreationen aus. Mein Favorit bisher: Zimt-Honig-Salz Latte.
Auch konnte ich mich schon kreativ einbringen, als ich die Speisekarte des Cafés neu designen durfte. Zweimal pro Woche haben wir Polnischunterricht, wobei wir regelmäßig an der polnischen Aussprache verzweifeln, aber dennoch viel Spaß haben. Nach der Arbeit treffen wir uns meistens mit anderen Freiwilligen aus Oświęcim oder Krakau. Häufig fahren wir dafür nach Krakau.
Einmal wurde ich von einer Schülerin gefragt, ob es nicht deprimierend sei hier zu leben. Ähnliche Fragen bekomme ich häufiger gestellt. Genau deswegen ist es mir auch ein Anliegen am Ende meiner Führungen darauf einzugehen.
Ich will Oświęcim als eigenständigen Ort präsentieren, in dem ich meine Einkäufe erledige, mich mit meinen Freund*innen treffe und Kinder vor meinem Haus Fußball spielen. Andererseits habe ich schon manchmal ein mulmiges Gefühl wenn ich darüber nachdenke, dass vor weniger als einem Jahrhundert genau an diesem Ort über eine Millionen Menschen auf brutalste Weise ermordet worden sind. Doch an der Aufklärung darüber mitzuwirken und zur Erinnerung an den Holocaust beizutragen, ist der Grund, aus dem ich hier bin. Diese Aufgabe erfüllt mich mit Stolz.
Vielen Dank, dass sie mich dabei mit ihrer Spende unterstützen

Kommentare